Eine Zeitreise

Zurück zu K. u. K.s Zeiten
    1786

    Gründung

    Zuckerbäcker Ludwig Dehne eröffnet am Michaelerplatz, gegenüber dem Bühneneingang des alten K. u. K. Hofburgtheaters seine Konditorei, die bereits in ihren frühen Jahren zum Erfolgs-Geschäft floriert. Einige Jahre später wird der Betrieb zum offiziellen Hoflieferanten und betreut als Monopol das Hofburgtheater.

    1857

    Aus Dehne wird Demel

    Nachkomme August Dehne übergibt seinem ersten Lehrling, Christoph Demel den Betrieb. 10 Jahre später übernehmen seine Söhne Joseph und Karl die nun gleichnamige Zuckerbäckerei, Ch. Demel’s Soehne.

    1887

    Übersiedlung ins Palais am Kohlmarkt

    Aufgrund der kaiserlichen Stadtumplanung verlassen die Gebrüder den Michaelerplatz und eröffnen den Demel im Palais am Kohlmarkt. Die vornehmen Architekten Portois & Fix werden mit der Gestaltung der Gewölbe beauftragt, welche die Räume in der Stildominante des Rokoko, die Einrichtung im Stil des Regency ausgestalten.

    1891

    Starke Frauen im Demel

    Als Carl Demel verstirbt (Josef starb schon weit früher), führt seine Witwe, Maria Demel, geb. Griensteidl, die Tochter des bekannten Cafetiers, die nächsten zwanzig Jahre den Demel. Nach ihrem Tod übernimmt dessen Sohn Karl Demel das Geschäft, das er bis zu seinem Tode, 1917, offiziell führt, jedoch mit größter Unterstützung der eigentlichen Hausfrau, seiner Schwägerin, Anna Demel, geb. Siding, und dessen Schwester, Hermine Siding. Auch die dritte Schwester, Flora Siding, die beim Theater war, lebt zurückgezogen im Hause am Kohlmarkt. Ihre, aus einer unglücklichen Verbindung zu dem ungarischen Magnaten Nikolaus von Szemere entstammende Tochter Klara, wurde von Anna Demel adoptiert und war die vorderhand letzte Frau, die ihr Leben ganz in den Dienst des Demel stellte, wie überhaupt das ganze Schicksal des Demel immer wieder von Frauen bestimmt wurde.

    1918
    Anna Demel 04.03.1872 - 08.11.1956.jpg

    Anna Demel - Die Frau der man eine Torte widmete

    Als die Österreichisch - Ungarische Monarchie unterging, schien im Demel die Zeit stillzustehen. Anna Demel wachte streng darüber, dass der alten Ordnung Genüge getan wurde.

    Im Demel blieb ein Graf auch in der Republik noch ein Graf, man hielt seinem aristokratischen, verarmten Vorkriegspublikum die Treue. Trotz Verbot und Strafe ließ Anna Demel weder auf dem Portal noch auf den Konfektschachteln das Emblem K. u. K. Hofzuckerbäcker streichen. Anna Demel ist auch heute noch, lange nach ihrem Tod im Jahre 1956, als Pionierin bekannt, die als erste Frau den Titel „Kommerzialrat“ erhält (1952) und der im Demel mit der berühmten Anna Torte auch heute noch Tribut gezollt wird.

    1956
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    Der letzte Romantiker

    Nach Anna’s Tod übernimmt ihre Adoptivtochter Klara Demel die Geschicke der Hofzuckerbäckerei, verheiratet mit Baron Federico v. Berzeviczy-Pallavicini. Nach dem Tode seiner Gemahlin Klara 1965 führt er den Demel weiter. Der hochbegabte Künstler Federico v. Berzeviczy-Pallavicini begründet die bis heute bestehende maßgebende Stellung des Demel.

    Er prägt mit seinen faszinierenden Auslagen und kunstvoll gestalteten, verspielten Designs das Erscheinungsbild des Demel. Zahlreiche dieser Motive sowie viele weitere wunderschöne Jahrhundertwende- und Wiener Werkstättenmotive, finden sich bis heute zum Teil unverändert auf den einzigartigen Bonbonschachteln und Verpackungspapieren wieder.

    1972
    Udo Proksch

    Enfant Terrible

    Nachdem Federico v. Berzeviczy-Pallavicini das Familienunternehmen 1972 verkauft, um sich in Italien und New York künstlerisch zu betätigen, beginnt für den Demel eine unruhige Zeit, als er kurzer Hand vom österreichischen Enfant Terrible Udo Proksch, damals unter dem Synonym Serge Kirchhofer, Besitzer von 17 Telefonnummern, 38 Mänteln im Military-Look und zahlreichen Geburtsdaten, übernommen wurde.

    Proksch gründet daraufhin den, im zweiten Stock residierenden „Club 45“ in dem sich sämtliche Politiker, Künstler und Medienrepräsentanten trafen die damals Rang und Namen hatten. 20 Jahre später wechselt der Demel wieder Besitzer, nachdem Proksch aufgrund der Versenkung des Schiffes ‚Lucona‘ verhaftet wird.

    2002

    DO & CO - Neue Horizonte, Alte Traditionen

    Ende 2002 wird der Demel Teil des international-tätigen Österreichischen Cateringunternehmen DO & CO, das stets darauf achtet den Betrieb traditionsgerecht weiterzuführen und die wertvolle Marke Demel zu bewahren.

    Der letzte Romantiker

    Federico Berzeviczy-Pallavicini

    Vor allem Friedrich Ludwig Berzeviczy (der sich ab 1938, nach seiner Emigration nach Italien, Federico von Berzeviczy-Pallavicini nannte) brachte mehrfach mit seinem Engagement in nachhaltiger Weise, frischen Wind ins konservative Unternehmen nahe der Wiener Hofburg.

    Zum Demel vermittelt wurde der verarmte Spross einer ungarisch-italienischen Adelsfamilie, der in Wien die Schulbank gedrückt und studiert hatte, Anfang der 1930er Jahre von dem bedeutenden Architekten Josef Hoffmann (1870 bis 1956), der dessen künstlerisches Talent schätzte. Eine fantastische Raumgestaltung des aufstrebenden jungen Künstlers aus jener Zeit veranlasste Hoffmann zur Bemerkung "Berzeviczy ist der letzte Romantiker". Im Demel begann Federico Berzeviczy-Pallavicini mit einer Reihe von "Schaufenster-Inszenierungen" wie Wien sie noch nicht gesehen hatte. In einem Arbeitszimmer im dritten Stock hatte er sich das Modell eines Demel-Schaufensters im Maßstab 1:1 zimmern lassen, wo die Auslagen ausgiebig geprobt wurden, ehe im Erdgeschoss an die Umsetzung geschritten werden konnte.

    Bis zum Verkauf der Konditorei im Jahr 1972 schuf Berzeviczy-Pallavicini zu verschiedenen Jahreszeiten, kirchlichen Festen und sonstigen Anlässen, geradezu märchenhafte Inszenierungen mit zum Teil edlen Materialien und aufwendiger Gestaltung. Seine Inszenierungen verstand er als "Theater auf der Straße", die er zur Freude auch für jene Passanten arrangierte, die sich einen Demelbesuch nicht leisten konnten.

    Bis heute sind die jahreszeitlichen Schaufensterinszenierungen beim Demel durch Berzeviczy-Pallavicini beeinflusst. Besonders gelungene Exponate finden ihren Weg ins Demel Museum in den Kellerräumen des Betriebes und können dort weiterhin bestaunt werden.

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    Federico Berzeviczy-Pallavicini
    Berzeviczy Paper Script
    Original Berzeviczy Papier-Entwurf

    Demel Museum

    Tauchen Sie ein in die Welt des Demels!
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    Neben dem vielfältigen Angebot des Demels, glänzen vor allem auch die künstlerischen Auslagen, die ursprünglich von Berzeviczy-Palavicini etabliert wurden. Bis heute ist es Tradition, die Auslagen entsprechend der Saison und Anlässen stets mit neuen Dekors zu gestalten.

    Wer gerne mehr Auslagedekorationen sehen und etwas Geschichte schnuppern möchte, kann sich in die Gewölbe des Demel begeben, in denen nicht nur so manche „Best of“ Kunstwerke der Auslagen stehen, sondern auch wertvolle historische Objekte die bis zu den Anfängen des Demels zurückreichen.

    Öffnungszeiten: jeden Freitag, 10.00 bis 12.00 Uhr

    Es betreuen Sie zwei Wiener Fremdenführerinnen.
    Eintritt pro Person: € 4,-

    Für den Besuch des Museums ist keine Voranmeldung notwendig.

    Ihr Demel-Team

    Tauchen Sie ein in die Welt des Demels, die Kunst der Zuckerbäcker, die Geschichte der Familie Demel. Das Haus beherbergt in seinem Keller kleine, feine Überraschungen!